Jef D´hont und die Aufklärung im Radsport

Gestern veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung ein umfangreiches Interview mit Jef D´hont, der in den Jahren 1992 bis 1996 Masseur des Team-Telekom-Rennstalls war. Etwa zwei Jahre nach dem Tour-Skandal von 1998, wurde der 66-jährige Belgier im Zuge des Festina-Prozesses von Lille wegen Mithilfe zum Doping zu neun Monaten auf Bewährung verurteilt. (siehe dazu ausführlich und mit weiteren Nachweisen Cycling4Fans)

Jef D´hont, der vor knapp einem Jahr in einem Interview gegenüber Der Spiegel und in seinem Buch „Memoiren eines Radfahrer-Betreuers“ über ein systematisches Doping im Team-Telekom sprach, kündigte nun für November 2008 ein weiteres Enthüllungsbuch an, in dem er neue Erkenntnisse gegen Jan Ullrich – der bislang ein Doping-Missbrauch bestritten hat -, Ex-Teamchef Walter Godefroot und Sportdirektor Rolf Aldag vorbringen möchte. Sein erstes Buch galt als Auslöser für die Doping-Geständnisse u.a. von Rolf Aldag und Eric Zabel.

In seinem neuesten Interview äußerte sich D´hont zu dem erst kürzlich veröffentlichten Untersuchungsbericht über die Universitätsklinik Freiburg (siehe auch Beitrag vom 21.März 2008) und erklärte erhebliche Zweifel an der Stellungnahme von Andreas Klöden (siehe Beitrag vom 28. März 2008) zu haben.

SZ: In dem Freiburger Bericht sorgte die Erwähnung einer Lieferung an den früheren Telekom-Profi Andreas Klöden für Aufsehen. Klöden sagt jedoch, in dem Paket im Wert von 1000 Mark seien nur Vitamine gewesen. Ist das glaubhaft?

D’hont: Ich kann ja nur für meine Telekom-Zeit reden, aber damals waren Vitamine gratis – niemals wurde dafür von Fahrern bezahlt, niemals. Und jeder Rennfahrer wusste genau, wie das System von Godefroots Firma funktionierte. Und bitte: Für 1000 Mark Vitamine! Ich denke, das kann nicht stimmen.

Der Landsmann und langjährige Manager des Telekom-Teams, Walter Godefroot, hat D´hont auf Schadensersatz in Höhe von 700.000 Euro verklagt. Der Klage hat sich mittlerweile auch der ehemalige Telekom-Fahrer Steffen Wesemann angeschlossen. D´hont hatte ausgesagt, dass Godefroot das Dopingsystem der Mannschaft in Magente finanziert habe. Der ehemalige Masseur sieht der Klage, über die voraussichtlich erst im November diesen Jahres verhandelt werden soll, gelassen entgegen.

„(…) Es werden bald noch viel, viel mehr Dinge rauskommen, die öffentlich nicht bekannt sind. Ich sage das alles nicht gerne, aber jetzt muss ich es machen. Und diese neuen Sachen betreffen sicher nicht nur Godefroot.“

„(…) ich weiß ohnehin nicht, wie Godefroot behaupten kann, er habe nichts gewusst. Manchmal denke ich fast: Er ist dumm. Jeder weiß doch: Umso mehr du in der Scheiße rührst, desto mehr Dreck kommt hoch.“

Weiter bemängelt D´hont das Interesse des Radsportweltverbandes (UCI), des belgischen Verbandes oder des Bund Deutscher Radfahrer (BDR) an einer endgültigen Aufklärung.

„Scharping? Auch kein Gespräch, keiner vom BDR hat sich bei mir gemeldet. Das wundert mich sehr. Auch der belgische Verband meldet sich nicht. Kein Funktionär des Radsports hat offenbar Interesse an meinem Wissen.“

Quelle und vollständiges Interview: Süddeutsche Online

Weiter Informationen: Focus Online , ZDF Sport

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