Die Olympischen Spiele, eine Gratwanderung zwischen der olympischen Idee und der Politik

Die Suche nach der olympischen Idee führt über die Antike zu dem Historiker und Padägogen Baron Pierre de Coubertin. Seine Begeisterung für das antike Olympia, dessen Ruinen zwischen 1875 und 1881 deutsche Archäologen ausgegraben hatten, und die Turnbewegung, die sich während des 19. Jahrhunderts in Europa entwickelt hatte, führten im November 1892 am Ende seines Vortrages an der Universität in Sorbonne in Paris dazu, dass er die Öffentlichkeit zur Wiederbelebung der Olympischen Spiele aufforderte.

Weder in der Antike noch nach Coubertins Auffassung war das „Sportfest“ eine Veranstaltung im heutigen Sinn. Die Olympischen Spiele der Antike stellten ein religiöses Fest dar, das zu Ehren der Götter Zeus und Pelops abgehalten wurde. Auch für Coubertin stand nicht der Selbstzweck oder die Erbringung großer sportlicher Leistungen im Vordergrund. Sport war eine „Religion mit Kirche, Dogmen, Kult“. Allerdings erweiterte Coubertin den religiösen Charakter der Spiele um die Idee des Internationalismus und der Demokratie. Die modernen Olympischen Spiele sollten allen Völkern und Nationen zugänglich sein und diese friedlich zusammenführen. „Der sportliche Wettkampf sollte zwar ernsthafter Kampf sein, aber gleichzeitig eine neue Form geregelter und gewaltfreier Konfliktlösung darstellen.“ (Olympiastatisktik)

Wieviel ist von Coubertins pädagogischen Zielen und seiner Idee von der „geistigen und körperlichen Ertüchtigung“, vom „Weltfrieden“ und von „der gesunden Demokratie und (dem) friedlichen Internationalismus“ nach knapp mehr als 100 Jahren noch übrig?

Seit dem Ersten Weltkrieg spielt die Politik eine nicht unbedeutende Rolle bei den Olympischen Spielen. Die Spiele im Jahr 1916 waren ursprünglich an Berlin vergeben worden. Die blutigen Auseinandersetzungen zwischen 1914 und 1918 änderten diese Pläne.

Vier Jahre später fanden die Olympischen Spiele in Belgien statt. Ohne Deutschland, Österreich, Bulgarien, die Türkei und Ungarn als die Verliererstaaten des Ersten Weltkrieges. 1924 wurden deutsche Athleten in Paris immer noch von den Olympischen Spielen ausgeschlossen.

Insgesamt scheiterte die Durchführung der Olympischen Spiele drei Mal: 1914 während des Ersten Weltkrieges sowie 1940 und 1944 während des Zweiten Weltkrieges.

Die Olympischen Sommerspiele von 1936 dienten als Propagandaforum für die Nationalsozialisten. Hitlers Regierung versprach die strikte Einhaltung der olympischen Regeln und allen Rassen sowie Konfessionen freien Zugang in die an Olympia teilnehmenden Mannschaften. Für den kurzen Zeitraum wurden die Judenverfolgungen vorübergehend eingestellt und die antisemitischen Parolen entfernt. Jesse Owens, ein schwarzer Amerikaner, gewann in München vier Goldmedaillen.

Am 2. Oktober 1968, zehn Tage vor der Eröffnungsfeier der Sommerspiele in Mexico-City, starben bei der „Matanza von Tlatelolco“ ca. 300 Studenten während der Proteste gegen die regierenden politischen Eliten in Mexiko. Während der Spiele wurden die Athleten Tommi Smith und John Carlos disqualifiziert, als sie während der Siegerehrung ihre schwarz behandschuhte Faust in die Höhe streckten. Es war das Symbol der Black Power, der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung in den Vereinigten Staaten.

München 1972: Palästinensische Terroristen erschossen im olympischen Dorf zwei Mitglieder der israelischen Olympiamannschaft und nahmen elf israelische Athleten als Geiseln. Mit der Aktion bezweckten die Terroristen die Freilassung von Gesinnungsgenossen. Bei dem Versuch der Befreiungsaktion auf dem Flughafen Fürstenfeldbruck starben alle Geiseln, ein deutscher Polizist und fünf Terroristen. Die Olympischen Spiele wurden fortgesetzt.

Während der olympischen Sommerspiele in Atlanta 1996 explodierte im Centennial Olympic Park eine Bombe. Bei dem Attentat, das – wie sich später herausstellte – von Eric Robert Rudolph verübt worden war, starben 2 Menschen und wurden 111 weitere verletzt. Als Tatmotiv gab Rudolph Haß auf das „Regime“ in Washington D.C. an.

Zu diesen politischen Zwischenfällen reihen sich noch Boykotte der Olympischen Spiele der Neuzeit ein, denen in den meisten Fällen wieder politische Hintergründe zugrunde lagen. Die größten Olympiaboykotte 1976 in Montreal, 1980 in Moskau und 1984 in Los Angeles statt. Genauer betrachtet waren die Olympischen Spiele 1992 in Barcelona die ersten Spiele, die von keinem Staat boykottiert wurden…

„Weltfrieden“? „Gesunde Demokratie und friedlicher Internationalismus“?

Quellen, Bilder und weitere Informationen:

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