Lücke im NADA-Code?

Die verweigerte Dopingkontrolle durch den Eishockey-Profi Florian Busch und die verhängte Sanktion des zuständigen Disziplinarorgans des Deutschen Eishockey-Bund e.V. (DEB) nähren weiter den Boden für Diskussionen und Debatten in den Medien, in der Politik und im Sport. Was zunächst wie ein kleiner Vorfall oder eine Trotzreaktion wirkte, könnte nun zu einem wahren Stolperstein herangewachsen sein. Grund dafür ist die verhängte Sanktion durch den DEB und die dafür gelieferte Begründung. Auch wenn dem DEB-Vizepräsident Uwe Harnos zufolge „keine Pillepalle-Strafe“ verhängt worden ist, weicht die Sanktion weit von den Vorgaben der Nationalen Anti-Doping Agentur (NADA) ab.

Bei der Pressemitteilung auf der offiziellen Website des DEB heißt es unter anderem:

Nach dem NADA-Code ist ein den Test verweigernder Sportler wie ein positiv getesteter zu behandeln und mit einer Sperre von 2 Jahren zu ahnden. Im vorliegenden Fall handelt es sich jedoch nicht um eine verweigerte Dopingkontrolle, sondern um ein absolutes Fehlverhalten/Dummheit des Spielers. Das Regelungswerk NADC weist insoweit eine Lücke auf, die es unter Berücksichtigung rechtsstaatlicher Grundsätze wie auch des Übermaßverbots zu schließen gilt.

Eine Lücke im NADA-Code? Eine Lücke, weil der Code einen den Test verweigernden Sportler wie einen positiv getesteten sanktioniert? Oder weil er ein „Fehlverhalten/Dummheit“ im Saktionsmaß unberücksichtigt lässt?

Art. 2.3 des NADA-Codes in der geltenden Fassung lautet:

Verstöße gegen Anti-Doping-Bestimmungen sind die folgenden:

Die Verweigerung oder das Unterlassen ohne zwingenden Grund, sich einer Probenahme zu unterziehen, die gemäß den Bestimmungen des NADA-Code oder anderer anwendbarer Anti-Doping-Bestimmungen zulässig ist, oder jeder anderweitige Versuch, sich der Probenahme vorsätzlich zu entziehen.

Der Wortlaut ist eindeutig und bietet wenig Freiraum für eine Fehlinterpretation. Die zu verhängende Sanktion richtet sich nach Art. 11.5.1 in Verbindung mit Art. 11.3.1 NADA-Code und verlangt beim ersten Verstoß eine 2-jährige Sperre. Die Dauer der Sperre kann auf die Hälfte gekürzt werden, wenn der Athlet gemäß Ziffer 11.3.3 NADA-Code nachweisen kann, daß er weder vorsätzlich noch grob fahrlässig gehandelt hat.

Das Unverständnis des betroffenen Athleten, der seinen Fehler nachträglich einsieht, seines Vereins, seines Verbandes oder des beobachtenden Sportbegeisterten für die strenge Sanktion ist durchaus nachvollziehbar.

Dennoch ist der Sinn hinter der Norm gleichermaßen eindeutig wie einleuchtend. Sinn und Zweck einer unangemeldeten Dopingkontrolle ist gerade der Ausschluß einer möglichen nachträglichen Manipulation des Ergebnisses und damit auch des Ausgangs. Denn entgegen der Ansicht des DEB können bereits wenige Stunden durchaus das Ergebnis nachträglich verändern.

„Es gibt sehr wohl Möglichkeiten der Manipulation. Außerdem bauen sich bestimmte Substanzen schon innerhalb von wenigen Stunden ab“, sagt NADA-Sprecherin Ulrike Spitz.

Die Effektivität des Kontrollsystems wäre untergraben, wenn es dem Athleten freistünde, den Zeitpunkt seiner Kontrolle zu bestimmen. Deswegen kann eine verweigerte Probenahme auch nicht durch eine nachgeholte Probenahme geheilt werden. Selbst wenn man an dieser Stelle die Frage außen vorlässt, wer –NADA oder DEB- die zweite Dopingkontrolle in Auftrag gegeben hat, ist und bleibt sie verweigert. Auch ein nachweislich negatives Ergebnis der Probenanalyse ändert nichts daran, denn darauf kommt es nicht an. Art. 2.3 des NADA-Codes ist bereits mit der Verweigerung, sich der Probnahme zu unterziehen, erfüllt.

Das Überfahren einen Stoppschilds im Straßenverkehr wird auch nicht deshalb zu einem Nicht-Überschreiten, bloß weil ich mein „Fehlhalten/Dummheit“ an der nächsten Kreuzung bereue und den Rückwärtsgang einlege.

Entgegen der Auffassung des DEB bietet der NADA-Code die Möglichkeit, die besonderen Umstände des Einzelfalles zu berücksichtigen und damit auch die Sanktion zu verringern. Dafür muß aber nachgewiesen werden, dass der Athlet weder vorsätzlich noch grob fahrlässig gehandelt hat. Eine „Kurzschlussreaktion“ dürfte für einen erfolgreich geführten Beweis zu mager sein.

Von einer „Lücke“ im NADA-Code kann jedenfalls nicht gesprochen werden, vielmehr von einem lückenhaften Verständnis für den Anti-Doping Kampf und das Kontrollsystem.

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  1. #1 von Thomas Utri am April 29, 2008 - 9:51 pm

    Hallo !

    Ein guter Kommentar.
    Leider aber sieht auch der Weltverband IIHF keinen Handlungsbedarf und dieser Spieler darf sogar an einer Eishockey – WM teilnehmen.
    Also, alles in Ordnung ? Aussitzen , wie es ein bekannter Ex- Kanzler mal vormachte und damit das Thema in Vergessenheit geraten lassen ?
    Damit ist dem deutschen Eishockey extrem geschadet worden und dem Doping eine Tür geöffnet worden.
    Der Sportler muss ja nur sagen : „oh, ich war in einer Stresssituation und habe den Fehler eingesehen, kann ich den Test ein paar Stunden später machen ?“
    Schade, dass die Funktionäre vom DEB und die Verantworlichen der DEL nicht genug Mumm hatten und nur Ihre eigenen Interessen verfolgten ( der DEB hier die Teilnahme des Spielers an der WM ).
    Sonst hätten die den Spieler gesperrt.

    Gruß
    Tom

  1. Fall Busch heute vor dem Ad-hoc-Schiedsgericht « SPORTRECHT

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