Morgen Ringvorlesung „Doping“: Wie viel Doping verträgt die Gesellschaft?

<Zu diesem Thema spricht Ines Geipel bei der interdisziplinären Ringvorlesung von Universität und Pädagogischer Hochschule Heidelberg am kommenden Donnerstag (8. Mai, 16.15 Uhr) – Staffelweltrekordlerin warnt vor albtraumhaften Folgen

Ines Geipel ist eine ehemalige Weltklassesprinterin und heute Professorin für Verssprache in Berlin. Sie war Nebenklägerin in Berliner Prozess gegen die Drahtzieher des DDR-Dopings und kämpft seit Jahren dafür, dass der von ihr selbst mitgehaltene Weltrekord über 4x100m wegen Dopings gestrichen wird. In letzter Zeit beschäftigt sie sich vor allem mit dem globalen Effizienzsport, seiner Geschichte und seinen gesellschaftlichen Folgen. Sie zeichnet das Schreckensbild des pharmakologisch und genetisch aufgerüsteten Menschen und geißelt die begleitende moralische und politische Korruption.

In ihrem neuesten Buch „Wie viel Doping verträgt die Gesellschaft“ – und dann auch in dem Vortrag in der Ringvorlesung – beschäftigt sie sich mit dem Trend zur Körpermanipulation und der damit verbundenen Gefährdung vor allem von Kindern, mit der abnehmenden Wahrscheinlichkeit des Nachweises von Doping und der Situation in China, vor allem der Produktion von Dopingmitteln und Substanzen für den Schwarzmarkt. Sie schließt ihr Buch mit den prophetischen Sätzen: „Die Gesellschaft wird nicht umhin können, die Integrität des menschlichen Körpers endlich ernst zu nehmen… Solange die Gesellschaft keine klare Haltung hat, mit was für einem Körper sie leben will, wird es immer weiter gehen – mit dem System Doping.“>

Beginn: Donnerstag, 8.5.2008, 16.15 Uhr
Ort: Hörsaal des Sportinstituts, Im Neuenheimer Feld 700, 69120 Heidelberg

Quelle: idW

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  1. #1 von Richard Friedel am August 16, 2008 - 9:40 am

    Für mich ist ein Aspekt des Dopings im Sport übersehen worden und ist aufklärungsbedürftig – der Begriff Asthma. Einerseits haben wir die Heroisierung der Asthmatiker, die im Eislauf, Skilanglauf und Schwimmen trotz extremen und sogar lebensgefährlichen Atmungsbeschwerden dank künstlicher Erweiterung der Atemwege durch Medikamente es zu nicht nur telegenen Glanzleistungen bringen. Andererseits spielt doch der Glaube an einen Fortschrittsautomatismus in der Pharma und die Larmoyanz über Marcel Proust und über das Schicksal von Asthmatikern mit der lebenslänglichen Behandlung mit Kortison als Spray oder Pillen eine Rolle.

    Auch wenn Leute mit einem Gefühl der Atmungsinsuffizienz oft eine Genesung durch Leistungssport aus eigenem natürlichem Antrieb suchen und so ihren weitaus überproportionalen Anteil im Leistungssport begreiflich machen, ruft die Wirkung des Asthmakonzepts und seine Behandlung nach mehr Transparenz bezüglich der persönlichen Dosierung für den Sportler, des Sinns einer nur pharmazeutischen Behandlung bzw. eines nur pharmazeutischen Verständnisses der Krankheit. Japaner als großes Kulturvolk betonen eine Schlüsselrolle des Bauchdrucks bei dem wirkungsvollen Tiefatmen, das dem Asthmatiker abgeht. Siehe Bücher von N. Nakamura, S. Otabe und N. Shioya

    Siehe „Pneumologie in Praxis und Klinik“ von R. Ferlinz noch als wichtiges Lehrbuch mit der Mahnung (Anfang Kap. 2) „.Bleiben wir uns aber be¬wußt, daß auch auf diesem Gebiet der Medizin [Atmung] vieles Tradition, Vermutung und Empirie ist, so daß die biologischen Zusammenhänge sich bei genauerer Nachprüfung ganz anders darstellen mögen.“

    Frau Geipel könnte also optimistischer über die Ziele des Spitzensports sein, nämlich als Grund zum Nachdenken über medizinischen Theorien. Die sind im Sport auf dem Prüfstand.

    Richard Friedel

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