Ist Viagra im Leistungssport dopingrelevant?

In einem Interview der Süddeutschen sprach Prof. Dr. Wilhelm Schänzer, Leiter des Instituts für Biochemie an der Deutschen Sporthochschule in Köln, über den Fall des italienischen Radsportprofis Andrea Moletta, die Dopingrelevanz des Wirkstoffs im Medikament Viagra und seine Auswirkungen im Leistungsport.

SZ: Herr Professor Schänzer, das Radsportteam Gerolsteiner hat seinen italienischen Profi Andrea Moletta bis auf weiteres freigestellt, weil sein Vater in einem Auto saß, in dem Zielfahnder 82 Packungen des Potenzmittels Viagra fanden…

Schänzer: Viagra ist nicht dopingrelevant. (…)

SZ: Das heißt, das darf ein Sportler beliebig einschmeißen?

Schänzer: Dazu ist nicht mal eine therapeutische Ausnahmegenehmigung notwendig. Das wäre kein Dopingverstoß. Es ist aber ein Medikament, das rezeptpflichtig ist und sollte nur nach Anweisungen eines Arztes angewendet werden. Eine Anwendung im Sport wäre dann ein Medikamentenmissbrauch; weil es ja nicht für das entsprechende Krankheitsbild eingesetzt wird. (…)

SZ: Aber das ist doch eine Form der Leistungssteigerung.

Schänzer: Klar, bei einem Potenzmittel denkt man automatisch, dass es auch sportliche Leistungen steigern könnte. Das scheint nicht der Fall zu sein. Zumindest gibt es bisher keine ausreichenden Daten, um es als Dopingsubstanz zu klassifizieren. Das Mittel kommt im benannten Sinne bei erektiler Dysfunktion. (…)

SZ: Wie entscheidet man, ob ein Medikament, das bisher nicht auf der Dopingliste stand, dopingrelevant ist oder nicht?

Schänzer: Es geht um drei Entscheidungen. Erstmal sollte man überlegen: Ist das Medikament leistungsfördernd oder nicht? Wird es im Sport tatsächlich zunehmend zur Leistungsoptimierung eingesetzt? Zweitens: Ist es gesundheitsschädigend? Ein rezeptpflichtiges Medikament wie Viagra hat Nebenwirkungen – die müsste man genau abwägen und einstufen. Drittens: Man muss das Medikament aus sportethischen Gründen betrachten. Zwei dieser Kriterien sollten schon zutreffen, bevor ein Medikament – besser sollte man sagen: dessen Wirkstoff – zum Dopingmittel erklärt wird. Also Viagra müsste wirklich erkennbar leistungsfördernd sein. (…)

Quelle und vollständiges Interview: süddeutsche.de

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  1. #1 von Jose Carlos am Oktober 19, 2009 - 1:58 am

    Viagra hat doch nichts mit Leistungssteigerung beim Sport zu tun. Klar kann man sagen das sich die Leistung im Bett verbessert, aber wer sich ein wenig auskennt weiß, dass Viagra im eigentlichen Sinne nur den Botenstoff cGMP daran hindert eine Erektion abzubauen. Von daher denke ich gehören diese zwei Themen (Viagra und Leistungssteigerung beim Sport) gar nicht zusammen.

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