„The fastest things on no legs“ erhält Starterlaubnis für Peking

Der Court of Arbitration for Sport (CAS) hat am 16. Mai 2008 dem Einspruch des südafrikanischen Sprinters mit Handicap, Oscar Pistorius, gegen die Entscheidung der International Association of Athletics Federations (IAAF) vom 14. Januar 2008 stattgegeben und letztere mit sofortiger Wirkung aufgehoben.

Dem 21-jährigen Oscar Pistorius wurden im Alter von elf Monaten beide Unterschenkel amputiert. Seitdem benutzt er Prothesen zum Gehen und Össur Cheetah Flex-Foot – kurz „Cheetahs“ – für Rennen und Wettkämpfe. Der junge Weltrekordhalter der Paralympics über 100, 200 und 400 Meter begehrt sowohl die uneingeschränkte Teilnahme an Wettkämpfen, die von der Internationalen Vereinigung von Leichtathletikverbänden IAAF veranstaltet werden, als auch an der südafrikanischen 4×400-Meter-Staffel bei Olympischen Spielen in Beijing.

Der IAAF-Rat hatte jedoch am 14. Januar 2008 den beidseitig amputierten Sprinter von internationalen Wettbewerben der Nichtbehinderten ausgeschlossen. Als Begründung für die Entscheidung wurde eine in Auftrag gegebene Studie, die vom Kölner Biomechanik-Professor Gert-Peter Brüggemann erstellt wurde, herangezogen, die „erhebliche Vorteile gegenüber getesteten Vergleichssportlern ohne Prothesen“ darlegte. Damit stellten die „Cheetah“-Prothesen aus Sicht der IAAF ein unzulässiges „technisches Hilfsmittel“ gemäß der Regel 144.2 (e) der IAAF Wettkampfregeln dar.

Im Februar 2008 legte Pistorius Einspruch gegen die Entscheidung des IAAF-Rats beim Sportschiedsgericht in Lausanne ein. Das Gremium der drei CAS-Richter kam zu dem Ergebnis, daß das IAAF Pistorius einen unzulässigen Vorteil durch die Benutzung der „Cheetahs“-Prothesen gegenüber anderen Athleten, die keine Hilfsmittel benutzen, nicht hinreichend nachweisen konnte. Auch das in Auftrag gegebene „Kölner“-Gutachten überzeuge in dieser Hinsicht nicht. Denn es habe sich nur mit der Frage auseinander gesetzt, ob die Prothesen einen Vorteil gegenüber anderen Athleten ohne Prothesen bedeuten. Die Messungen ließen aber die für Pistorius benachteiligende Start- und Beschleunigungsphase außer Acht. Der CAS stellte weiter ausdrücklich fest, daß es nicht an der „Expertise und Intergrität“ von Prof. Brüggemann zweifle. Vielmehr sei die falsche Fragestellung ein Fehler des Auftraggebers IAAF gewesen.

Damit darf Oscar Pistorius mit den „Cheetahs“-Prothesen bei allen „sanktionierten“ IAAF-Wettkämpfen und bei den Olympischen Spielen in Beijing starten, sofern er die Olympia-Norm von 45,95 Sekunden erreicht.

Das Sportschiedsgericht stellte im Punkt 104 der Urteilsbegründung ausdrücklich fest, daß mit dieser Entscheidung kein Präzedenzfall oder „Freischein“ geschaffen wurde. Die Entscheidung sei nur auf den Anspruch von Oscar Pistorius und die streitgegenständlichen „Cheetahs“-Prothesen beschränkt und nicht auf andere Athleten oder weitere Arten von Prothesen anwendbar. Jeder Fall müßte einzeln von der IAAF, insbesondere auf die Vereinbarkeit mit der Regel 144.2 (e) geprüft und entschieden werden. Außerdem schloß der CAS nicht aus, daß das IAAF mit neuen wissenschaftliche Erkenntnissen und unter Berücksichtigung der Bedürfnisse beider Parteien der Beweis für einen Vorteil durch die Benutzung der Cheetah Flex-Foot Prothesen gelingen kann.

Quellen und weitere Informationen:

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