Wenn der Verband auf seinen Regeln verharrt…

Zum 10. Mal fand das internationale Schwimmfest Titze-Cup statt. Im April trafen ca. 900 Athleten in der Landesberger Allee in Berlin ein, um an dem Internationalen Cup teilzunehmen, der von den Berliner Wasserratten in der Schwimm- und Sprunghalle im Europa-Sportpark (SSE) organisiert wurde.

Wie schon andere Jahre zuvor gingen auch diesmal behinderte Sportler auf paralympischem Niveau an den Startblock. Bei dem diesjährigen Titze-Cup nahmen fast vierzig Athleten mit Handicap teil. Im Wettkampf mit nicht behinderten Athleten seien sie gefordert und hätten die Möglichkeit, Wettkampferfahrungen zu sammeln, so Trainer Matthias Ulm. Die Schwimmer Thomas Grimm und Lucas Ludwig vom Paralympischen Sport Club Berlin (PSC) schwammen dabei drei neue Deutsche Rekorde. Während Grimm über 100 m Brust mit 1:36:28 min. eine neue deutschen Bestzeit schwamm, gelangen Ludwig zwei neue Bestmarken: über 200 m Freistil mit 2:03:82 und über 400 m Freistil mit 4:16:61.

Zwar werden die Bestmarken der Athleten, die alle eine Lizenz des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) besitzen, in der Ergebnisliste notiert und können so von den jeweiligen Schwimmern an den Deutschen Behindertensportverband (DBS) zur Anerkennung weitergeleitet werden. Dennoch werden die Schwimmer mit Handicap disqualifiziert und kommen damit nicht in die Wertung. Der Grund für die Disqualifikation ist die jeweilige Behinderung, die es den Schwimmern nicht ermöglicht, die Wettkampfbestimmungen des DSV einzuhalten.

Thomas Grimm ist seit seiner Kindheit querschnittsgelähmt und sitzt seitdem im Rollstuhl. Beim Schwimmen auf paralympischem Niveau zieht er sich allein mit der Kraft aus seinen Armen durch das Wasser ans Ziel. In Berlin wurde er mit der Begründung disqualifiziert, er habe den Beinschlag nicht korrekt ausgeführt. Die Wettkampfbestimmungen des Deutschen Schwimm-Verbandes schreiben vor, daß auf jeden Armzug ein Beinzug folgen muß.

„Man muss die Beine anziehen, die Füße nach außen drehen und stoßen. Das kann ich natürlich nicht.“ erklärt Thomas Grimm.

Kampfrichter Stephan Oertel sowie Trainer Matthias Ulm wünschen sich eine baldige Lösung in Form einer Vereinbarung zwischen dem DSV und dem DBS. Dr. Karl Quade, Vizepräsident Leistungssport beim DBS und „Chef de Mission“ der Deutschen Paralympics-Mannschaft für Peking, will sich im Anschluß an die bevorstehenden Paralympischen Sommerspiele, spätestens jedoch nach Beginn des nächsten Jahres für eine Lösung einsetzen, denn “ (…) wir brauchen diese Wettkämpfe.“

Quellen:

ACHTUNG ANKÜNDIGUNG: SPORTRECHT führte exklusiv zu diesem Thema ein Interview mit Herrn Matthias Ulm, dem Trainer von Thomas Grimm und Lucas Ludwig. Lesen Sie mehr dazu morgen hier bei SPORTRECHT.


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  1. Interview mit Trainer Matthias Ulm - “Regeln kann man ändern und anpassen…” « SPORTRECHT

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