EM: Verzerrt B-Mannschaft den Wettbewerb?

Im Land des amtierenden Weltmeisters kommen Gerüchte einer Verschwörung auf. Nach den bisherigen Leistungen der italienischen Nationalmannschaft bei der EURO 2008 haben sie ihren noch möglichen Einzug ins Viertelfinale nicht mehr selbst in der Hand.

In der Vorrunde blicken sie zurück auf eine 0:3 Niederlage gegen die Niederlande und ein 1:1 gegen Rumänien. Damit stand das „Oranje-Team“ bereits seit Freitagabend als Gruppensieger und damit auch als Viertelfinalist fest. Je nachdem, wie die Partie Niederlande gegen Rumänien heute in Bern ausgeht, könnte selbst ein Sieg der italienischen oder der französischen Mannschaft wertlos sein. Die Niederlande wird einige ihrer Stars für das Viertelfinale gegen Schweden oder Russland schonen, um mögliche Verletzungen, Karten oder zusätzliche Anstrengungen der Spieler zu vermeiden. Dieser Zug ist nicht unüblich. Auch das portugiesische Aufgebot am Sonntagabend ließ Namen wie Deco, Cristiano Ronaldo oder Ricardo Carvalho missen.

Verzerrt die Aufstellung der vermeintlichen B-Mannschaft tatsächlich den Wettbewerb?

Der Gedanke, daß eine Ersatzmannschaft nicht im Stande ist, dieselbe Leistung zu erbringen wie eine Stammelf, liegt zunächst einmal nicht fern. Allerdings sollte man nicht außer Betracht lassen, daß auch die Ersatzspieler durchaus zu der Créme de la Créme eines Landes gehören. So manch eine Ersatzbank könnte dem einen oder anderen Liga-Spitzenclub die Stirn bieten. Zudem sollte man die hohe Motivation und Kampfbereitschaft eines Ersatzspielers, der im Bewußtsein der einmalig gebotenen Möglichkeit, sich auf der europäischen Fußballbühne präsentieren zu können, auf den grünen Platz tritt, nicht leichtfertig unterschätzen. Das durchgreifende Argument ist meines Erachtens jedoch, daß die Entscheidungskompetenz über die Aufstellung einer Mannschaft ausschließlich beim Trainer liegen kann. Weder europäische noch nationale Verbände oder außenstehende Experten haben ein Recht in Trainerentscheidungen einzugreifen.

Die Union of European Football Associations (UEFA) hat gegen die Aufstellung einer Ersatzmannschaft in einem bedeutungslosen Vorrundenspiel jedenfalls keinerlei Bedenken. Eine entsprechende Regelung, die es verbiete, eine Ersatzmannschaft aufzustellen, ist nicht vorgesehen. UEFA-Sprecher William Gaillard: „Es ist offensichtlich, dass ein bereits für die nächste Runde qualifiziertes Team seine Ersatzspieler aufstellt.“ Außerdem erinnert er daran, daß bei der vergangenen Europameisterschaft in Portugal die tchechische B-Mannschaft trotzdem gegen die deutsche A-Nationalmannschaft gewonnen hat.

Quellen:

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  1. #1 von RA Munzinger am Juni 17, 2008 - 9:32 am

    Das sich die Italiener und Franzosen beklagen, ist menschlich. Dabei hatten es beide Mannschaften in der Hand gehabt gegen Holland und gegen Rumänien genügend Punkte zum Weiterkommen zu sammeln.

    Ob nun Holland den 3. Torwart als Stürmer aufstellt, liegt im Ermessensspielraum der Holländer.

    Letztlich wird eigenes Versagen verbrämt und die Schuld am Scheitern woanders gesucht. Mein Bedauern hält sich in Grenzen.

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