Der Doping-Selbstversuch

Der kanadische Buchautor Craig Davidson sitzt an seinem Buch mit dem späteren Titel „The Fighter“. Wie auch seine Hauptfigur begibt sich der 30-Jährige auf einen dunklen Pfad: er spritzt sich über einen Zeitraum von 16 Wochen illegale Steroide.

Nachträglich berichtet Davidson eindrucksvoll und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen von seinem Training, den körperlichen Veränderungen und den auftretenden Nebenwirkungen. Angefangen beim Googlen nach „Steroide“ über das Setzen der ersten Spritze und dem Stemmen von Gewichten bis hin zum aufgedunsenen Erscheinungsbild „eine(r) Leiche, die in einem Sumpf versenkt wurde“.

Sein Doping-Experiment bestimmt von der ersten Spritze an seinen Tagesablauf: „aufwachen, essen, Mittel nehmen, trainieren, essen, trainieren, Mittel nehmen, schlafen. Und das jeden Tag, 16 Wochen lang.“

Die Erfolge und vor allem die Nebenwirkungen lassen nicht lange auf sich warten. In gut drei Monaten nimmt Davidson 16 Kilo zu, sein Verhalten verändert sich vom durchschnittlichen und bescheidenen Fitnesstudio-Besucher (Gläubigen, der gelegentlich zur Andacht geht“) zum fanatischen und laut stöhnenden „Prahler“, der am Ende des Trainings in der Umkleidekabine einschläft, weil er zu erschöpft ist, um nach Hause zu gehen. Seine Gelenke knacken nach dem Training wie Radmuttern in einer Zementmischmaschine.“ Und das sind bei Weitem noch nicht alle körperlichen Veränderungen…

„Mein Zyklus geht zu Ende. Ich habe alle Anti-Östrogen-Pillen geschluckt, jedes Gramm Testosteron, Equipoise und Wachstumshormon gespritzt. Ich habe schätzungsweise 560 Dosen Tunfisch für ungefähr 750 Dollar gegessen. Proteinpulver für 1280 Dollar. Die Steroide selbst haben 600 Dollar gekostet.“

Bereits anderthalb Wochen nach der letzten Spitze fühlt sich Davidson beim Aufwachen gut. Doch sein Spiegelbild verrät etwas ganz anderes. Die Blutuntersuchungen ergeben Leberwerte, die „völlig daneben liegen“. Ob der Buchautor jemals ein Kind zeugen kann, weiß er noch nicht. Ob eine eventuelle Unfruchtbarkeit auf die Steroide oder auf einen angeborenen Defekt zurückzuführen wäre, wird er wohl nie erfahren.

All die Nadeln, die vielen Kilo Protein, die ich mir reingedrückt hatte, der Urin schwangerer Frauen, der durch meine Venen pulsierte, die Ohnmachtsanfälle und die schlaflosen Nächte, die Muskelknoten und Männer-Titten, die geschrumpften Hoden und die Haare in meinem Essen, die Abszesse und der Höhlenmenschenwulst auf der Stirn, all die Risiken, die ich eingegangen bin, all der Schweiß und die Mühe – für nichts. [mehr]

Quellen:

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  1. #1 von Kato am September 28, 2010 - 4:10 pm

    Guten Abend.

    Haben Sie dieses Buch auf Deutsch oder Englisch gelesen? Ich habe schon lange nach einer deutschen Übersetzung gesucht, konnte aber – zu meiner Überraschung – bloß das englische Original finden.

    Wissen Sie etwas über eine womögliche Übersetzung?

    Vielen Dank.

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