EBU und ARD: Vertrag oder nicht Vertrag?

Unter der Überschrift „Übertragen wir sauberen Sport?“ hat die Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung ein Interview mit Fritz Pleitgen veröffentlicht. Der heute siebzigjährige Journalist war in der Zeit vom 01. Juli 1995 bis 31. März 2007 Intendendant des Westdeutschen Rundfunks (WDR). Von 2001 bis 2002 war er Vorsitzender der ARD. Seit dem 01.10.2006 ist er Präsident der Europäische Rundfunkunion (European Broadcasting Union).

Seitdem die ARD am 16. Okotber 2008 den Ausstieg aus der Live-Übertragung der Tour de France ankündigte (hier), liegt sie mit der EBU im Streit über einen Vertrag mit dem Veranstalter der Tour de France (Amaury Sport Organisation) den die EBU für ARD und ZDF geschlossen hat. Die ARD dagegen vertritt die Auffassung, keinen bindenden Auftrag an die EBU erteilt zu haben. „Nach den EBU-Regeln hat die ARD einen Vertrag geschlossen“ erklärt Pleitgen.

SZ: Herr Pleitgen, beim Streit mit der ARD geht es darum, ob eine Offerte, die die ARD am 15. Januar gegenüber der EBU formuliert hat, bindend ist mit der Abgabe oder erst bei Erfüllung von Bedingungen, die mit der Abgabe verknüpft sind. Nach gültiger EBU-Regelung soll das schriftliche Interesse bereits reichen, unabhängig von damit verbundenen Konditionen, etwa zum Preis, oder, wie im Falle der Tour de France, verpflichtenden Anti-Doping-Klauseln.

Pleitgen: Das ist richtig. Die EBU verhandelt nur auf der Grundlage verbindlicher Zusagen ihrer Mitglieder, sonst braucht sie erst gar nicht anzutreten. In den „EBU Sports Rights Acquisition Rules and Procedures“ sagt Paragraph 2: „Wer ein Gebot abgegeben hat, kann es nicht einseitig zurückziehen, sobald sich die Garantorengruppe gebildet hat.“ Nach diesen Regeln hat die ARD der EBU den Auftrag erteilt, auch in ihrem Namen mit der ASO, dem Veranstalter der Tour de France, einen Vertrag auszuhandeln und auf der Basis des Angebots abzuschließen. (…)

SZ: Wie teuer würde es für die ARD werden, den EBU-Vertrag mit der ASO nicht anzuerkennen?

Pleitgen: Es geht für ARD und ZDF um gut 20 Millionen Euro für drei Jahre. Dazu könnten Schadenersatzforderungen wegen ausgebliebener Sponsorengelder kommen. Die EBU wird die Summe sicher nicht übernehmen wollen. Ob das ZDF sich gerne daran beteiligt, wage ich zu bezweifeln. Es kann nicht sein, dass der Gebührenzahler die Zeche begleichen muss. Das habe ich schon beim umjubelten Ausstieg 2007 kritisiert. Sollte das jetzt wegen eines Kommunikationsfehlers schief gehen, dann wird es ziemlich ernst. [mehr]

Quelle: sueddeutsche.de

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