Beiträge getaggt mit WADA

„Wer jedenfalls nicht lückenlos kontrolliert, eröffnet die Chance, zu dopen.“

In den vergangenen Wochen füllten die Diskussionen um den aktuellen Code der World Anti-Doping Agency (WADA) die Presse. Insbesondere das Gleichgewicht zwischen einer effektiver Dopingbekämpfung und der Persönlichkeitsrechte der Sportler stand dabei im Vordergrund.

ZDF-online sprach mit Herrn Prof. Dr. Ulrich Haas über eine effektive Dopingbekämpfung, den Sinn der aktuellen Diskussion und mögliche Abweichungen von der Standardregel.

Prof. Dr. Ulrich Haas ist heute Inhaber des Lehrstuhls für Zivilverfahrens- und Privatrecht der Universität Zürich. Das Sportrecht bildet einen seiner Forschungsschwerpunkte. Neben den zahlreichen Publikationen auf diesem Gebiet (siehe hier) leitete er von Anfang 1999 bis Ende 2002 die Anti-Doping-Kommission des Deutschen Sportbunds (DSB) und des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland (NOK). Seit 2002 ist er Schiedsrichter beim Court of Arbitration for Sport (CAS/TAS) in Lausanne. Weiter ist er Sportschiedsrichter beim Deutschen Sportschiedsgericht, das im Januar 2008 seine Tätigkeit aufnahm. Prof. Dr. Haas wirkte auch bei der Überarbeitung des WADA-Codes bis zur Endfertigung im Jahr 2007 mit.

ZDFonline: Warum spricht der mächtigste Verbands-Präsident der Welt, Joseph Blatter, von einer „Hexenjagd“ und bittet um ein „Minimum an Privatsphäre“?

Haas: Es ist unstreitig, dass eine effektive Dopingbekämpfung stark in die Privatsphäre der einzelnen Sportler eingreift, ja eingreifen muss. Trotzdem ist die Frage berechtigt, ob und inwieweit die Interessen an der Dopingbekämpfung mit den Persönlichkeitsrechten des Sportlers in Einklang stehen. Diese Frage nach der richtigen Balance sollte immer wieder gestellt werden; denn der gute Zweck heiligt nicht jedes Mittel. Seinerzeit in Madrid 2007, als der neue Welt-Anti-Doping-Code verabschiedet wurde, hat man sportübergreifend diese Frage nach der Angemessenheit der Balance mit überwältigender Mehrheit mit „Ja“ beantwortet. Um diesen Konsens ist hart gerungen worden. Änderungen sollten daher meines Erachtens mit Bedacht und stets mit Blick auf diesen weltweiten Konsens vorgenommen werden.

ZDFonline: Die FIFA forderte Ende März 2009, dass es „inakzebtabel sei, Kontrollen im Urlaub der Spieler durchzuführen.“ Wie naiv sind solche Forderungen?

Haas: Ich glaube, dass man sich überall bewusst ist – und das gilt nicht nur für den Fußball, sondern für alle Sportarten – dass durch den technischen und medizinischen Fortschritt auch kleine Zeitfenster dazu benutzt werden können, um verbotene Leistungssteigerungen herbeizuführen. Eine andere Frage ist, ob von diesen Möglichkeiten auch tatsächlich Gebrauch gemacht wird. Im Radsport haben wir Belege dafür, dass dies der Fall ist. Der Fußball hingegen ist bislang in dieser Richtung nicht aufgefallen.  (…) Wer jedenfalls nicht lückenlos kontrolliert, eröffnet die Chance, zu dopen. Allein schon die Chance ist vielerlei Hinsicht nachteilig. Zum einen kann sich der „Doper“ hierauf verlässlich einstellen. Zum anderen setzt eine solche Möglichkeit eine Sportart schnell einem Generalverdacht aus, dass dort gefahr- und folgenlos gedopt werden kann. Ich persönlich bin daher nicht nur im Interesse der Dopingbekämpfung, sondern auch im Interesse der „sauberen“ Sportler für ein hohe Kontrolldichte, die nicht zwischen Freizeit und Trainings- bzw .Wettkampfzeit unterschiedet. Nur so bleibt die Dopingprobe das, für was sie konzipiert ist, nämlich ein effektives Instrument der Dopingbekämpfung. Allein Letzteres rechtfertigt es, in die Persönlichkeitssphäre des Sportlers einzugreifen. [mehr]

Quellen und vollständiges Interview: http://doping.zdf.de

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„Operación Puerto“: Richter erhebt Anklage gegen 8 Beschuldigte

Im Ermittlungsverfahren der bislang größten Doping-Affäre des Radsports, hat der zuständige Richter (Juzgado de Instrucción nº 31 de Madrid) im Fall der „Operación Puerto“ gegen acht Beschuldigte Anklage erhoben.

Medienberichten zufolge handelt es sich dabei um die Ärzte Eufemiano Fuentes, Yolanda Fuentes und Alfredo Córdova, den Hämatologen José Luis Merino Batres, die ehemaligen Teamchefs Manolo Saiz (Liberty), Vicente Belda, Ignacio Labarta (beide Kelme) und Alberto Léon. Ihnen wird ein Verstoß gegen die Volksgesundheit (Art. 361 Código Penal) zur Last gelegt. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, würde den Angeklagten höchstens eine zweijährige Haftstrafe drohen. Zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Taten war das Anti-Doping Gesetz in Spanien noch nicht Kraft.

Während der mündlichen Verhandlung können auch Radsportler als Zeugen geladen werden. Den Athleten würden keine strafrechtliche Strafen drohen, jedoch könnte der spanische Radsportverband (Federación Española de Ciclismo), die Union Cycliste Internationale (UCI) und die World Anti-Doping Agency (WADA) Sanktionen aussprechen.

Bereits zwei Mal war „Operación Puerto“ ad acta gelegt worden. Der Fall nach eine überraschende Wende, als ein Gericht in Madrid (Audiencia Provincial de Madrid) am 12. Januar 2009 die Entscheidung des Untersuchungsrichters Antonio Serrano vom September 2008 (mehr hier) aufhob und die Ermittlungen neu aufnahm.

Quellen:

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Verstößt der neue WADA-Code gegen europäisches Recht?

Der neue Code der World Anti-Doping Agency (WADA), der ab dem 01.01.2009 in Kraft getreten ist, bietet eine höhere Flexibilität in Bezug auf Strafen, verschärft aber auch die Meldepflichten für Top-Athleten/innen. Hier in Deutschland werden die Vorgaben der WADA im neuen Code der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) umgesetzt. Der überarbeitete Nada-Code ist ebenfalls am 01.01.2009 in Kraft getreten.

Die Vereinigung European Elite Athletes Association (EU-Athletes) begrüßt insbesondere die Flexibiltät des überarbeiteten Regelwerks und die Schwerpunktsetzung auf Bildung, vertritt aber auch die Ansicht, daß der Code aus datenschutz- sowie arbeitsrechtlichen Aspekten gegen geltendes EU-Recht verstoßen könnte. Daher hat Emine Bozkurt (MEP) am 09. Dezember 2008 schriftlich Parlamentarische Anfragen an die Europäische Kommision (E-6778/08) und den Rat (P-6762/08) eingereicht. Damit soll geklärt werden, ob bestimmte Aspekte des neuen WADA-Codes im Einklang mit europäischem Recht stehen. So soll insbesondere auch folgendes geklärt werden:

2. Stehen die in den Code aufgenommenen Textteile betreffend Wahrung der Privatsphäre und Datenschutz im Einklang mit europäischem Recht? (…)

4. Inwieweit stehen die Vorschriften, die Sportler verpflichten, während 365 Tagen des Jahres zu jeder Tages- und Nachtzeit für Kontrollen zur Verfügung zu stehen, nach Ansicht des Rates in angemessenem Verhältnis zum Recht der einzelnen Sportler auf Privatsphäre? Inwiefern stehen sie im Widerspruch zu Gemeinschaftsrechtsvorschriften über Arbeitszeiten? (…)

„So wie alle anderen, sind profesionelle Sportler durch das europäische Arbeitsrecht und die Menschenrechte geschützt. Es gibt keinen Zweifel daran, daß bestimmte Aspekte des WADA-Codes in Spielerrechte eingreifen und wir haben die Europäische Kommission gefragt, ob dies rechtmäßig ist. Wir sind dem drogenfreien Sport verpflichtet und wir haben mehrmals dazu aufgerufen mit Spieler-Vereinigungen zu verhandeln, um eine faire und effektive Anti-Doping Politik zu schaffen“, so Yves Kummer, Präsident der EU-Athletes.

Quellen:

Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

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WADA zieht im Fall Busch vor den CAS

Medienberichten zufolge hat die World Anti-Doping Agency (WADA) angekündigt, den Fall des deutschen Eishockey-Nationalspielers Florian Busch vom Court of Arbitration for Sport (CAS) in Lausanne klären zu lassen. WADA-Sprecher Frédéric Donzé:  „Die WADA wird in den kommenden Tagen in diesem Fall den CAS anrufen“.

Das eigens für den Fall einberufene Ad-hoc-Schiedsgericht des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) sah keine rechtliche Grundlage für eine Sperre des Spielers Busch, da der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) zum Zeitpunkt des Dopingvergehens Anfang März den Code der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) noch nicht in seine Satzung aufgenommen hatte. Die Klage der WADA daher wurde abgewiesen. (mehr dazu hier)

Der DEB hat nach der Entscheidung des Ad-hoc-Schiedgerichts des DOSB dennoch Konsequenzen aus den Versäumnissen ziehen müssen. Das Bundesinnenministerium (BMI) hat beschlossen, Fördermittel in höhe von 128.000 Euro einzubehalten. Wie DEB-Präsident Uwe Harnos am Rande des Länderspiels gegen die Schweiz mitteilte, hat der DEB der Strafe zugestimmt. „Wir haben unsere Rechtsmittel zurückgenommen. Dieser Entscheid ist jetzt rechtskräftig.“

Quellen und weitere Informationen:

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IOC: 500 Nach-Tests ab Januar

Das International Olympic Committee (IOC) hat in einer Pressemitteilung von heute Nach-Tests von rund 500 Dopingproben angekündigt. Die Proben sind bereits in das von der World Anti-Doping Agency (WADA) akkreditierte Labor in Lausanne zurückgesendet worden.

Die Nach-Tests werden von den akkreditierten Laboren in Lausanne, Paris und Köln durchgeführt. Bei den nachträglichen Analysen konzentriere man sich vor allem die Disziplinen im Radsport, Rudern, Schwimmen und Leichtathletik. Insbesondere soll auf die Substanzen EPO, CERA (ca. 400 Proben) und Insulin (ca. 100 Proben) getestet werden .

Dem IOC zufolge sollen die Analysen im Januar 2009 beginnen. Die ersten Ergebnisse werden voraussichtlich für Ende März 2009  veröffentlicht.

Quelle und weitere Informationen: olympic.org

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Keine Sperre für Florian Busch

Das Ad-hoc-Schiedsgericht des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) hat die Klage der World Anti-Doping Agency (WADA) gegen das milde Urteil des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) abgewiesen. Florian Busch wird somit nicht nachträglich wegen der verweigerten Trainingskontrolle vom 06. März 2008 gesperrt.

Die WADA hatte auf der Grundlage des Anti-Doping Regelwerks der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA-Code) eine zweijährige Sperre für den Nationalspieler und Stümer der Eisbären gefordert.

“ (…) Das Ad-hoc-Schiedsgericht des DOSB stellte zwar fest, dass nach dem NADA-Code die vorsätzliche Verweigerung einer Dopingprobe mit einer zweijährigen Sperre sanktioniert werden müsste und zwar ungeachtet der Tatsache, dass einige Stunden nach der Verweigerung schliesslich doch noch eine Dopingkontrolle bei Florian Busch durchgeführt werden konnte und diese zu einem negativen Ergebnis führte. Allerdings war der DEB zum massgeblichen Zeitpunkt seinen Verpflichtungen, den NADA-Code in sein Regelwerk zu übernehmen und den Spieler Florian Busch zur Einhaltung dieser Dopingbestimmungen zu verpflichten, nicht nachgekommen. Für die Anordnung der von der WADA geforderten zweijährigen Sperre fehlte es deshalb an einer Rechtsgrundlage. Die Klage musste deshalb
abgewiesen werden. Der Schiedsspruch ist endgültig.

Quelle: newsletter.dosb.de

Stellungnahme von Florian Busch zum Schiedsspruch: eisbären.de

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Fall Busch heute vor dem Ad-hoc-Schiedsgericht

Der Fall Florian Busch birgt viel Musik in sich. Was zunächst wie ein „dummer Jungenstreich“ wirkte, erfuhr plötzlich eine Detonation, deren Auswirkungen selbst in Kanada zu spüren waren. Nicht nur dem Nationalspieler dürfte zwischendurch die Übersicht über den Stand der Dinge schwer gefallen sein. Auch Freunde des Eishockeys oder des Sports schüttelten bei dem Tauziehen um die Sanktion verwirrt den Kopf.

Laut Deutscher Eishockey-Bund (DEB) lag in der (Ver-)Weigerung Buschs keine verweigerte Probenahme, sondern vielmehr ein „absolutes Fehlverhalten/Dummheit“ des Spielers. Die verpaßte Dopingkontrolle wurde daher mit einer öffentlichen Verwarnung, 5000 Euro Geldstrafe und 56 Stunden gemeinnütziger Arbeit sanktioniert. Die Nationale Anti Doping Agentur Deutschland (NADA) sah im Verhalten des Spielers keine verpaßte, sondern vielmehr eine verweigerte Kontrolle und damit den Tatbestand des Art. 2.3 NADAC verwirklicht (mehr dazu unter Lücke im NADA-Code?). Sie forderte eine Sperre Buschs. Beim DEB ließ man sich jedoch nicht davon beirren; immerhin stand auch die WM in Halifax (Kanada) unmittelbar bevor. Das Bundesministerium des Inneren (BMI), die International Ice Hockey Federation (IIHF) und die World Anti-Doping Agency (WADA) wurden auf den Plan geholt. Eine vorläufige Einigung zwischen DEB und NADA folgte im Mai diesen Jahres auf Vermittlung des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) hin (mehr hier).

Heute -mehr als acht Monate nach der Probenahme- setzt sich in Frankfurt/Main unter Vorsitz des Rechtsanwalts Stephan Netzle aus der Schweiz das ad-hoc-Schiedsgericht des DOSB zusammen, um abschließend eine Entscheidung in der Causa Busch zu treffen. Die sich gegenübersitzenden Parteien: der DEB und die WADA. Der Schiedsspruch wird von den Parteien anerkannt und umgesetzt werden.

Eine Sperre Buschs als Ergebnis dürfte nicht unwahrscheinlich sein. Ebenso kommt eine Vertagung wegen offener Fragen in Betracht…

Quelle: morgenpost.de (25. November 2008)

Videobeitrag: sport.zdf.de

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